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Helme Heine zu seinem 75. Geburtstag


Helme Heine erzählt Geschichten mit wenigen Zeichenstrichen. Seine Bilderbücher mit Millionenauflage sind legendär. Das Älterwerden, Freundschaft, Philosophie sind seine Themen. Und jetzt die Dummheit.

Von Christiane Oelrich, dpa



Bangkok (dpa) - Seine Illustrationen zieren Poster, Kalender und Bücher mit Millionenauflage. Figuren wie Tabaluga und der dicke Waldemar sind vielen Familien vertraut wie liebe Verwandte.

Der preisgekrönte Bilderbuch-Künstler Helme Heine mit Übersetzungen in 35 Sprachen bleibt aber selbst lieber im Hintergrund, wie er der Deutschen Presse-Agentur erzählt. Er lebt seit 25 Jahren am Meer in Neuseeland. Am 4. April wird er 75 Jahre alt.

Dass Kinder seine Klassiker mögen, freut ihn: zum Beispiel Das Elefanteneinmaleins über das Älterwerden oder die Freunde-Serie, aus der 2009 der Film Mullewapp entstand. Aber den Stempel Kinderbuchautor mag er nicht. Da sagen Leute: Der hat das Kind in sich bewahrt - das ist doch Unsinn, sagt Heine. Ich mache Bücher, die ich auch selbst kaufen würde. Starke Geschichten kämen dann auch bei Älteren, Vätern und Müttern an. Es muss ein bisschen doppelbödig sein, hinterhältig, nicht alles ausgeleuchtet - das ist sein Rezept.

Heine sieht sich als Übersetzer von komplizierten Dingen an. Und das versteht dann jedes Kind, sagt er. Sein neuestes Buch heißt Oh...diese Philosophen und ergründet prägnant und subtil bebildert, was alte Denker uns heute noch zu sagen haben. Aristoteles im Ölbad ist darin, ebenso wie Sokrates mit seiner nervenden Frau Xanthippe.

Von für Kinder weich gespülten Geschichten, wo alles gut und niemand fies ist, hält er wenig. Dass man den Kleinen nicht so viel zumuten kann, ist falsch, sagt er. Bilder und Geschichten müssen kraftvoll sein, wie bei den Brüdern Grimm. Gerecht-Ungerecht, Liebe-Tod - Kinder könnten damit gut umgehen.

Elementare Geschichten brauchten auch kein modernes Trallala wie Handys oder Computerspiele, um bei der heutigen Jugend anzukommen. Meine Figuren haben ja noch nicht einmal Kleidung, denn daran würde man erkennen, wie sie altern, sagt Heine.

Heine stammt aus Berlin. Er studierte Betriebswirtschaft und Kunst, reiste viel und wanderte nach Südafrika aus. Er war Bühnenbildner und Regisseur mit eigenem Kabarett. 1976 entstand das erste Bilderbuch, kein weiter Sprung von der Bühne, findet er: Bilderbücher sind inszenierte Geschichten. Er kehrte für zwölf Jahre nach Deutschland zurück, ehe er 1990 mit seiner Frau Gisela von Radowitz nach Russell in Neuseeland auswanderte. Kinder und Enkel leben in Europa.

Wenn man in Europa mit Freunden redet, geht es immer um die Sorgen, was morgen kommt: Renten, Krieg, Flüchtlinge, sagt Heine. Hier im asiatisch-pazifischen Raum lebt man mehr im Jetzt. Man hat mehr Zeit kreativ zu sein. Das tut Heine gerne auf seiner Holzsegeljacht Kikitoo. Da fahre ich zwei Tage raus und denke nach, sagt er. Figuren zu entwickeln dauert manchmal Jahre. Das ist ein Reifungsprozess wie bei Sauerkraut.

Die Figuren füllt er mit Leben, ohne, dass die Details später im Buch vorkommen. Was für Musik würde Waldemar hören, was für Bücher würde Johnny Mauser lesen? Seine eigene Lieblingsfigur? Immer die, an der ich gerade arbeite, sagt Heine. Seine Vorname Helme ist übrigens ein Kunstprodukt. Den Ursprung kennt Heine nach eigenen Angaben nicht. Ich wurde schon als Kind immer Helme gerufen, das habe ich beibehalten. Welcher Name in seinem Pass steht, verrät er nicht.

Nicht, dass ihm die europäischen Probleme gleich sind. Jedes Jahr verbringt er drei Monate in Europa. Zum Thema Flüchtlinge könnte er sich auch ein Buch vorstellen. Selbstverständlich ist jedes Bilderbuch politisch, sagt er.

Im Moment hat er aber andere Projekte, darunter einen neuen Tabaluga-Film, der ab Sommer in Deutschland und Kanada produziert wird. Den kleinen Drachen dachte sich Peter Maffay seinerzeit für eine Kinderplatte aus. Die Figur gestaltete Heine. Ein weiteres Projekt ist auch in der Pipeline: Das Dummgeheuer - ein Buch über die Dummheit. Mehr will Heine noch nicht dazu verraten.

Ein Ende seiner Bilderbuch-Karriere, wie er sein Leben nennt, ist für Heine undenkbar. Ist er jemals ohne Zeichenstift unterwegs? Nie sagt er spontan. Den Geburtstag will er auf seiner Jacht verbringen. Schwimmen, tauchen, angeln sind seine Pläne. Seine Philosophie: Ich weiß, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dafür bin ich dankbar, denn sie lässt mich bewusster leben.

Kritiken zu "Ooh... diese Philosophen":



Ich gebe zu, dass ich skeptisch war, ob das gut geht: die Geschichte der Philosophie in knapp 140 Seiten. Wie wird er das Dilemma zwischen Essenzialisierung und Differenzierung lösen?
Ich finde, er hat es großartig gelöst. Jeder Philosoph ist wie in einer Skizze erfasst. Schwächen und Stärken zeigt er mit einem Lächeln von einem, der im Grunde dazugehört. Dazu erfährt man - meist in anekdotischer Form - ungeheuer Wissenswertes über jede Person, was für mich und sicher viele andere, neu war. Denn…drei gut ausgewählte Anekdoten sagen mehr über eine Person als eine langatmige Biographie!

Reinhard Seifried




Lieber Herr Heine,

habe gerade das wunderbar leichte und doch informative Büchlein über die Philosophen gelesen. Eine herrliche Lektüre, vor allem in der Verschränkung der Biographien mit der je eigenen Philosophie. Da haben Sie sich ja ganz klar entschieden, dass die zusammengehören. Gerade die Verknüpfung des Anekdotischen mit dem Denken macht Ihr Buch zu einem Lesevergnügen. Und man kann trotz der jeweiligen Kürze der Artikel schön die Denklinien von der Antike bis zur Gegenwart nachvollziehen und erkennen, dass es nie aufhören und zu Ende sein wird.
Sehr gelungen.

Jürgen Horbach (Verleger)





HELME HEINE: "Ooh… diese Philosophen"

Wenn ein weltberühmter Maler, Zeichner und Autor von Kinder- und Erwachsenenbüchern auf die Idee kommt, sich die abendländischen Philosophen von Anaximander und Aristoteles bis zu Voltaire und Wittgenstein vorzuknöpfen, muss er etwas im Schilde führen. Überzeugt davon, dass Denken der Dummheit schadet, vor allem der Dummheit, die immer alles schon besser weiß, greift Helme Heine zum langen Pinsel und zur spitzen Feder und bringt den Leser dazu, über die Herren Philosophen (es sind wirklich lauter Herren, wenn man einmal von Xanthippe absieht) zu staunen. Und mit dem Staunen findet sich der Leser bereits am Ursprung und Anfang allen Philosophierens.

39 Philosophen lässt Helme Heine auftreten und skizziert ihre jeweilige Sicht auf Gott und die Welt. Dazu braucht er in der Tat den langen Pinsel, also die optimale Distanz: nicht zu nah und nicht zu fern. Dieses Kunststück schafft er mit Ironie und Witz und einer schelmischen Portion Frechheit – wenn er zum Beispiel fragt, woran man einen Philosophen erkennt und dann unter Absehen von jeder Frauenquote feststellt: „Ein Philosoph ist weltfremd, unsportlich und streitsüchtig. Er lacht selten, er ist nicht verheiratet, in der Antike liebte er Knaben, im Mittelalter die Kirche und in der Neuzeit sein Ego…“ Blinzelt da nicht Blaise Pascal aus dem Vorhang, der meint „Sich über die Philosophen lustig machen, heißt wirklich philosophieren“?

Lakonisch und ohne verkrampfte Übergänge verknüpft Helme Heine die Gedanken seiner Philosophen mit ihrer Biografie und entfaltet, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die großen Linien der abendländischen Philosophie, die ja in ihrer Gesamtheit einzigartig und von höchstem Rang ist und gerade im globalen Dialog ein bleibendes Erbe der Menschheit sein wird.
In seinem Epilog formuliert Helme Heine eine eigene quinta essentia: Die Neuzeit ist alt, die Eule der Minerva flügellahm geworden und Oswald Spengler hat vielleicht recht, wenn er vom Untergang des Abendlandes spricht. Die Fragen der neuesten Zeit, die Heine stellt, bleiben naturgemäß unbeantwortet: Hat das Wort noch eine Chance in der totalen Bilderwelt? Wird es eine Maschinenphilosophie geben? Verlagert sich das weltpolitische Gewicht nach China? Erwacht Konfuzius und mit ihm ein neues Sowohl-als-auch? Bewirkt die Umweltzerstörung, die wachsende Weltbevölkerung, der Kampf um Energie, Wasser und Luft ein Umdenken? Wird die europäisch-westliche Philosophie, geprägt vom ICH, zu einer Philosophie der WIR werden?

Heines Schlussgedanke zeigt, wie ernst es ihm trotz Witz und Ironie, Leichtfüßigkeit und Mut zur Lücke ist: „Irgendwann wird ein neues Zeitalter kommen mit einer neuen, jungen, kraftvollen Philosophie, deren Geschichte meine Urenkel erzählen werden.“ Mit dieser Aussicht wird Heine selber zum Philosophen, der die Liebe zur Weisheit jedem vermitteln will und das von Kindesbeinen an. Man wusste das eigentlich schon seit Heines Kalenderblättern, die seit 30 Jahren ein eigenes und originales philosophisches Oevre darstellen. Das zu erkennen, so darf man wohl mit Seneca

vermuten, ist aber wohl nur denen gegeben, die schöpferisch denken und nicht nur Vorlesungen über Philosophiegeschichte halten.

Ingo Hermann (Autor und Philosoph)


Zeitungsbeiträge

2012

02_2012 . NIDO .Bei Waldemar habe ich an Helmut Kohl gedacht

2009
29.08.2009 . FAZ . Wenn das Schwein in die Pedale tritt
31.07.2009 . SZ . Was wäre Faust ohne Mephisto
22.07.2009 . FR . Das Böse muss böse sein
18.07.2009 . FAZ . Sind Sie Kind geblieben Herr Heine?

2008
14.06.2008 . SZ . Lebenskunst

2007
21.06.2007 . Zoo Hannover . Auf nach Mullewapp

2005
08.10.2005 . WELT . Geschichten als Geschenke

2004
08.12.2004 . FAZ . Was ein alter griechischer Philosoph sagt

2003
27.09.2003 . SZ . Die Welt im Kopf

1993
1993 . Bulletin . Huhn, Schwein und Maus
1993 . STERN . Drache für Steppenwolf

1986
1986 . Bernd Küsters . Autor für Kinderfilme
1986 . Carl Heinz Mallet . Mit Kindern, Tieren und dem lieben Gott
1986 . E. W. Heine . Schnappschüsse aus dem Familienalbum

Interviews


Wahlheimat Neuseeland - ein Gespräch mit Helme Heine im Radio von BR 2


2011
05.06.2011 . Deutschlandradio Kultur . Zwischen den Zeilen illustrieren

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2010

06.10.2010 . 3sat . Helme Heine, Gisela von Radowitz
Der verlorene Sohn

2005
15.08.2005 . mepLicensing . Ich versuche, den Leser zu bewegen, weniger meine Figuren

2003
2003 . Ute Wegmann . Ein Interview mit Helme Heine

Weitere Beiträge

Zoo Hannover . Filmpremiere Mullewapp
MotionWorks GmbH . Mullewapp - Making of 

Insider . Was machen Sie eigentlich sonst so?
Helme Heine . Über die Entstehung von Sauerkraut